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Zeitschrift für Literatur und Kunst |
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Matrix ist eine Veröffentlichung des Pop Verlags |
Lieber Genosse Iliescu ...
Seit einem Jahr versuche ich, ein paar Worte über ein Buch zu schreiben. Ein Buch, das ich als Rezensionsexemplar bestellt habe. Und weil der Verfasser mich wiederholt nach dieser Rezension gefragt hat, versuche ich es jetzt noch einmal. Eindeutig ist, dass der Autor Uwe Detemple mit diesem Band versucht, uns seine Liebe zu seinem Geburtsland zu übermitteln. Wie viele Rumäniendeutsche, die das Land vor der sogenannten Revolution verlassen haben, war Uwe Detemple von allem, was er im Fernsehen sah – es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die rumänische „Revolution“ ein Medien-Event war, so wie seither alle wichtigen Vorfälle, ob Horrorereignisse oder Polizei- und Kriegs-einsätze, erfolgreich auf dem Bildschirm konkurrieren – tief beeindruckt und fühlte sich aufgefordert, etwas zu tun. Während andere sich in Interviews kritisch über das Ceausescu-Regime geäußert oder in mehr oder weniger gelungenen Texten die von den Medien ausgeschlachtete „Revolution“ als Thema aufgegriffen haben, entschied sich Uwe Detemple, am nachrevolutionären politischen Leben in Rumänien teilzunehmen. Da er kein Dissident oder Opponent war, tat er, was ihm gewährt wurde: Er wendete sich den einzigartigen Ausdünstungen der Revolution, also auch der genauso einzigartigen, frisch ausgedünsteten Partei zu. Mit Erfolg: Er wurde sogar Mitglied dieser Partei. Warum? Das Buch gibt uns eine eindeutige Antwort: Er wollte Rumänien helfen, indem er mit einigen der „wichtigen“ Persönlichkeiten der De-zemberereignisse 1989 in Kontakt zu treten suchte. Das gelang ihm nicht recht, denn diese Persönlichkeiten hatten letztendlich anderes zu tun, als einem jungen Mann aus Deutschland, der bloß seine Liebe als Hilfe anbieten konnte, die Hand zu schütteln. Der Band trägt den Titel „Mein Rumänien: Revolution & Poesie“. Ob es sich um ein Sach- oder Belletristikbuch handelt, lässt sich leider nicht ausmachen. 160 Seiten stark, davon etwa 35 bis 40 Seiten auf Rumänisch (deren Übersetzung nicht aufzufinden ist), eine halbe Seite auf Spanisch (ibidem betreffs Übersetzung) und der Rest auf Deutsch. Etwa 100 Seiten bieten eine kompilierte Zusammenfassung der „Revolution“, etwa 30 Seiten naive lyrische Versuche (meist auf Rumänisch). Ansonsten: Auszüge aus rumänischen Zeitungen, Buchbesprechungen und Empfehlungen (vier Seiten), Personenregister, Quellennachweis, Literaturverzeichnis, Danksagung, Inhalt ... Dazwischen einige Bilder – eines davon zeigt den Autor im Shirt der Iliescu-Partei, ein anderes seine Mitgliedskarte! Zwanzig Jahre nach der „geklauten Revolution“ dem Verantwortlichen für die ganze Misere im Nach-Ceausescu-Rumänien zu danken, finde ich zumindest sonderbar. Hat denn der Autor nichts von der sogenannten Mineriade gehört, als die vom hochgelobten Iliescu herbeigerufenen Bergarbeiter nach dem Motto „Noi muncim / Noi nu gândim“ („Wir arbeiten / Wir denken nicht“) die Studenten niedergeknüppelt hatten? Um nur ein Beispiel zu nennen ... Ich gebe zu, mein Versuch, etwas zu verstehen, ist diesmal total gescheitert. Und ich kann noch immer nicht nachvollziehen, warum und für welche Zielgruppe dieses Buch veröffentlicht wurde. Ein komisches Gefühl macht sich dennoch in der linken Seite meiner Brust bemerkbar. Denn als ich das Buch aufschlug, fiel mein Blick zuerst auf folgende Passage: „Welch ein Glück, in diesem Land geboren zu sein, welch eine Bereicherung, im multikulturellen Raum des Banats aufgewachsen zu sein, an der rumänischen Geschichte und Kultur teilhaben zu können ...“ (S. 7). Dem stimme ich zu, schließlich wurde mir dieses Glück ebenfalls zuteil. Doch politisch gesehen ist dieses Buch ein Oeuvre eines Opfers der Post-Ceausescu-Ära. Nur politisch? Na ja, jeder findet, was er sucht ... Ich wünsche uns und Herrn Detemple, ehrlich gesagt, bessere Zeiten! T. T. Pop
(...)
"Ich schreib mir das Leben/her, schreib mir das Leben weg." - so kurz
und summarisch fällt Rolf Bosserts zweizeiliges "Selbstporträt" aus.
Kurz wie das Leben des rumäniendeutschen Dichters. 33
Jahre alt ist Rolf Bossert, als er im November 1985, nach etlichen Schikanen
durch den Sicherheitsdienst Securitate, im November 1985 aus der
Ceausescu-Diktatur ausreisen darf. Wir durchzechen zuvor eine letzte lange
Nacht. Sie führt uns im Taxi kreuz und quer durch Bukarest. Wenige Tage später ist es so weit. Der Abschied hat den Hut auf. Rolf Bossert geht. Mit Frau, zwei Kindern und Typoskripten. Er ist Aussiedler, Einzelgänger. Und er ist Dichter. Mitten drin in der Fremde sitzt er plötzlich, mutterseelenallein, wurzelt nur noch in der Poesie. Das ist ihm, so bleibt zu vermuten, zu wenig. Je länger er darüber nachdenkt. Drei Monate später, in der Nacht vom 16. zum 17. Februar 1986, sitzt er im Aussiedlerheim in Frankfurt am Main bis zum Morgengrauen in der Küche. Gegen 4 Uhr schaut seine Frau Gudrun noch einmal nach ihm, um 6 Uhr ist er nicht mehr da. Aber das Fenster am Ende des Flurs ist offen. Darunter liegt Rolf Bosserts Leiche. Vielleicht wollte er fliegen.(...) Ursula T. Gibson, „The Blossoms of the Night Bloomimg Cereus" (Leseprobe) (...) Etwas an dieser Sammlung liest sich fast wie ein Roman, auch wenn die Gedichte keiner formellen Ordnung folgen, oder kategorisiert sind. In der Tat sind sie fast Beispiele einer Unterhaltung zweier guter Freundinnen am Küchentisch bei einer Tasse Kaffee, falls eine dieser Freundinnen eine begabte Geschichtenerzählerin und Dichterin wäre. Ich muss zugeben, dass ich etwas tat, wovon ich anderen Lyriklesern immer abrate: Ich habe das Buch an einem Stück verschlungen, und habe erst dann zurückgeblättert, um die Gedichte mehrmals langsamer zu lesen.
Wegen der schon erwähnten Abwechslung in Ton und Thema ist für jeden etwas darin. Und wenn sie schon dabei sind, vergessen sie nicht, sich selbst zu beschenken. Dies ist ein Buch, das in jedes Lyrikregal gehört, und es bittet darum, wieder und wieder gelesen zu werden. (...) Aurora Antonovic Poeticdiversity, Los Angeles |
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